Der Allerheiligenstriezel ist kein Trauergebäck, sondern ein Patengeschenk. Der 1. November hieß in weiten Teilen Österreichs der „Godntag“ — der Tag, an dem Patin oder Pate das Patenkind besuchten und den geflochtenen Zopf mitbrachten. Das erklärt auch, warum ein süßes Gebäck an einem stillen Tag überhaupt vorkommt.
Der Rahmen
Drei Dinge, die oft vermischt werden
Allerheiligen und Allerseelen sind nicht dasselbe. Allerheiligen ist der 1. November und einer der dreizehn gesetzlichen Feiertage. Allerseelen folgt am 2. November und ist kein gesetzlicher Feiertag — das Bildungsministerium führt ihn separat. Der Friedhofsbesuch findet je nach Familie am einen oder am anderen Tag statt.
Was sich vorher besorgen lässt, steht bei den Genusspaketen.
Der Striezel gehört zum Patenverhältnis. Traditionell brachten Patin oder Pate ihn dem Patenkind mit; in manchen Gegenden ist das Patengeschenk als „Godnsach“ bis heute üblich, teils bis zur Firmung. Der Striezel ist damit kein Grabschmuck, sondern ein Familienbrauch.
Geflochten, und das mit Absicht. Das Flechten steht für Zusammenhalt — die guten Wünsche werden beim Flechten sinnbildlich eingearbeitet. Aus einem einfachen Strang wurden im Lauf der Zeit zwei, dann drei, dann vier.
Das Gebäck
Was im Striezel steckt
Der Teig ist ein klassischer Germteig: Mehl, Germ, Milch, Butter und Eier. Je nach Region kommen Rosinen, Mandeln oder Anis dazu — was ihn regional deutlich unterscheidet, ohne dass eine Variante die richtigere wäre.
Die vermutlich erste Erwähnung eines Striezels findet sich im „Nachrichtenbuech“ von 1699 aus Saxen in Oberösterreich, damals noch als „Heiligenstriezel“. Der Brauch ist also mindestens gut dreihundert Jahre alt.
Zur Herkunft der Zopfform kursiert eine Deutung, die man mit Vorsicht weitergeben sollte: dass in der Antike Trauernde geflochtene Haare abschnitten und sich daraus der Germzopf entwickelt habe. Das ist eine verbreitete Erklärung, aber eine Deutung — kein belegter Ursprung. Sicher ist nur, dass geflochtenes Gebäck an diesem Tag eine lange Geschichte hat.
Der praktische Teil
Warum warme Küche und nicht Braten
Der Ablauf des Tages bestimmt das Essen, nicht umgekehrt. Wer vormittags am Friedhof steht und danach mit kalten Händen heimkommt, hat kein Interesse an einem Gericht, das jetzt erst anfängt.
Deshalb funktionieren an Allerheiligen genau die Speisen, die vorbereitet sind und nur noch heiß werden müssen:
| Gericht | Vorbereitung | Warum es passt |
|---|---|---|
| Klare Suppe mit Kaspressknödeln | Knödel am Vortag | Die Suppe zieht am Vortag, die Knödel werden nur eingelegt. Zwanzig Minuten nach dem Heimkommen steht es am Tisch |
| Brezensuppe | Auflauf vorbereiten | Wird geschichtet und wandert in den Ofen — läuft ohne Aufsicht, während man ankommt und auftaut |
| Gröstl | Kartoffeln am Vortag | Die Kartoffeln müssen ohnehin vom Vortag sein. Der Rest ist eine Viertelstunde Pfanne |
| Brettljause | nur anrichten | Wenn Besuch kommt und niemand kochen will: kalt, sofort fertig, für jede Gästezahl skalierbar |
Suppe zieht am Vortag, Knödel werden nur eingelegt — zwanzig Minuten nach dem Heimkommen fertig
Wird geschichtet und läuft ohne Aufsicht, während man ankommt
Die Kartoffeln müssen ohnehin vom Vortag sein, der Rest ist eine Viertelstunde Pfanne
Kalt, ohne Kochen, für jede Gästezahl skalierbar
Ein festgelegtes Allerheiligen-Menü gibt es nicht — und das ist keine Ausrede, sondern der Befund: Was auf den Tisch kommt, unterscheidet sich von Tal zu Tal und von Familie zu Familie. Gemeinsam ist nur die Logik: warm, vorbereitet, ohne Aufwand am Tag selbst.
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Wenn Besuch kommt
An Allerheiligen sitzt oft mehr Familie am Tisch als sonst — und meist ohne dass jemand Lust auf Kochen hätte. Eine Brettljause braucht nur ein Brett und zehn Minuten: gereifter Käse, Speck, eine luftgetrocknete Wurst, dunkles Brot und etwas Saures. Rechne als Hauptmahlzeit mit rund 375 Gramm pro Person.
Häufige Fragen
Allerheiligen: Fragen und Antworten
Wer schenkt den Allerheiligenstriezel?
Traditionell die Patin oder der Pate dem Patenkind. Der 1. November hieß vielerorts „Godntag" — der Tag des Patenbesuchs. In manchen Gegenden ist das Patengeschenk als „Godnsach" bis heute üblich, teils bis zur Firmung. Der Striezel ist damit ein Familienbrauch und kein Trauergebäck.
Was ist der Unterschied zwischen Allerheiligen und Allerseelen?
Allerheiligen ist der 1. November und einer der dreizehn gesetzlichen Feiertage in Österreich. Allerseelen folgt am 2. November und ist kein gesetzlicher Feiertag — das Bildungsministerium führt ihn getrennt als schulfreien Tag. Der Friedhofsbesuch findet je nach Familie am einen oder am anderen Tag statt.
Woraus besteht ein Allerheiligenstriezel?
Aus einem klassischen Germteig mit Mehl, Germ, Milch, Butter und Eiern. Je nach Region kommen Rosinen, Mandeln oder Anis dazu. Geflochten wird er aus zwei, drei oder mehr Strängen — aus dem einfachen Strang der Frühzeit sind im Lauf der Jahrhunderte die heutigen Zöpfe geworden.
Wie alt ist der Brauch?
Mindestens gut dreihundert Jahre. Die vermutlich erste Erwähnung eines Striezels stammt aus dem „Nachrichtenbuech" von 1699 aus Saxen in Oberösterreich, damals noch unter der Bezeichnung „Heiligenstriezel". Ältere Herleitungen, etwa über abgeschnittene Trauerzöpfe in der Antike, sind Deutungen und kein belegter Ursprung.
Was kocht man an Allerheiligen?
Etwas Warmes, das vorbereitet ist. Der Vormittag gehört meist dem Friedhof, und danach soll es schnell gehen: klare Suppe mit Kaspressknödeln, ein Brezensuppen-Auflauf oder ein Gröstl aus Kartoffeln vom Vortag. Ein festgelegtes Menü gibt es nicht — es unterscheidet sich von Tal zu Tal und von Familie zu Familie.
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