Der 15. August ist in ganz Österreich gesetzlicher Feiertag — Mariä Himmelfahrt. In Tirol kommt eine zweite Bedeutung dazu: Seit 1959 wird der Tag auch als Landesfeiertag begangen, in Erinnerung an den Freiheitskampf von 1809 und an Andreas Hofer. Der Anlass ist also ein doppelter, und die beiden Stränge haben unterschiedliche Geschichten.
Vorweg
Drei Dinge, die regelmäßig verwechselt werden
Der freie Tag kommt von der Kirche, nicht vom Land. Mariä Himmelfahrt ist einer der dreizehn gesetzlichen Feiertage in ganz Österreich — in Wien genauso wie in Innsbruck. Die Tiroler Landesbedeutung ist eine zusätzliche Ebene, kein zusätzlicher freier Tag.
Was an so einem Tag auf den Tisch kommt, zeigt die Tiroler Brettljause.
Der Landespatron ist ein anderer Termin. Tirols Landespatron ist der heilige Josef, von Maria Theresia am 11. Jänner 1772 dazu bestimmt. Sein Festtag ist der 19. März: schulfrei, viele Ämter geschlossen — aber kein gesetzlicher Feiertag. Seit 21. April 2006 gibt es mit dem heiligen Georg (23. April) einen zweiten Landespatron.
Der 15. August ist kein Schlachtdatum. Die dritte und entscheidende Schlacht am Bergisel fand am 13. August 1809 statt. Der 15. August wurde erst später als gemeinsamer Gedenktag gewählt, weil er als Marienfest ohnehin der wichtigste Sommertermin im Kirchenjahr war.
Die Person
Wer Andreas Hofer war
Andreas Hofer war kein Berufssoldat, sondern Wirt. Er führte den Sandhof bei St. Leonhard im Passeiertal, einen Bauernhof mit Gastbetrieb. Daher der Name, unter dem ihn bis heute jeder kennt: der Sandwirt. Nebenbei handelte er mit Pferden und Wein, war also im Land unterwegs und kannte viele Leute. Genau das machte ihn 1809 zur naheliegenden Führungsfigur, als sich der Tiroler Widerstand gegen die bayerische Verwaltung und die französische Vorherrschaft formierte.
| Angabe | Fakt |
|---|---|
| Geboren | 22. November 1767, am Sandhof bei St. Leonhard in Passeier |
| Beruf | Wirt am Sandhof, dazu Pferde- und Weinhändler |
| Rolle 1809 | Oberkommandant des Tiroler Aufstands |
| Gefangen | 28. Jänner 1810 |
| Gestorben | 20. Februar 1810, in Mantua erschossen |
22. November 1767 am Sandhof bei St. Leonhard in Passeier
Wirt am Sandhof, dazu Pferde- und Weinhändler — daher „der Sandwirt“
Oberkommandant des Tiroler Aufstands
28. Jänner 1810
20. Februar 1810, in Mantua erschossen
Der Sandhof steht bis heute und gehört zum MuseumPasseier. Das Passeiertal liegt allerdings südlich des Brenners und damit im heutigen Südtirol — Hofers Geburtsort liegt also nicht in dem Tirol, das den 15. August als Landesfeiertag begeht. Das ist keine Spitzfindigkeit, sondern die Folge der Teilung von 1919.
1809
Vier Schlachten am Bergisel
Der Bergisel ist der Hügel im Süden von Innsbruck, über den die Straße vom Brenner in die Stadt führt. Wer ihn hält, hält den Zugang. Deshalb wurde 1809 gleich viermal dort gekämpft — und deshalb ist der Bergisel bis heute der Ort, an dem Tiroler Landesgeschichte verhandelt wird.
| Schlacht | Datum | Einordnung |
|---|---|---|
| Erste | 12. April 1809 | Der Beginn. Der Aufstand greift binnen weniger Tage auf weite Teile des Landes über |
| Zweite | 29. Mai 1809 | Innsbruck wird ein zweites Mal von den Aufständischen genommen |
| Dritte | 13. August 1809 | Der bekannteste Sieg. Er ist es, an den der Landesfeiertag erinnert |
| Vierte | 1. November 1809 | Die Niederlage. Danach ist der Aufstand militärisch beendet |
Der Beginn. Der Aufstand greift binnen weniger Tage auf weite Teile des Landes über
Innsbruck wird ein zweites Mal von den Aufständischen genommen
Der bekannteste Sieg — an ihn erinnert der Landesfeiertag
Die Niederlage. Danach ist der Aufstand militärisch beendet
Das Jahr endete also nicht siegreich, und die Erinnerungskultur hat sich trotzdem den August ausgesucht. Das ist typisch für Gedenktage: Sie halten fest, was das Land von sich selbst erzählen will, nicht den Ausgang der Ereignisse.
Der Weg zum Feiertag
Wie aus 1809 ein Landesfeiertag wurde
Zwischen den Ereignissen und dem Feiertag liegen fast hundertfünfzig Jahre. Der entscheidende Schritt fiel erst in der Nachkriegszeit.
Der Tiroler Landtag beschließt ein Gesetz über eine Landesgedächtnisstiftung zur Erinnerung an den Freiheitskampf von 1809 — samt Bau und Erhaltung einer Kapelle zu Ehren „Unserer Hohen Frau von Tirol“.
Im Jahr der 150-Jahr-Feiern erklärt Landeshauptmann Hans Tschiggfrey den Hohen Frauentag am 15. August zum Landesfeiertag. Damit fallen Marienfest und Landesgedenken auf einen Termin.
Der Tag verbindet beides: Gottesdienst und Kräuterweihe auf der einen Seite, landesüblicher Empfang, Schützen und Musikkapellen auf der anderen. In Innsbruck werden an diesem Tag auch Landesauszeichnungen überreicht.
Am Tag selbst
Was in den Gemeinden passiert
Der 15. August ist kein zentral organisierter Staatsakt, sondern läuft in jeder Gemeinde etwas anders ab. Verbreitet sind Festmesse, Kräuterweihe, Prozession, Schützenkompanie und Musikkapelle — in welcher Reihenfolge und in welchem Umfang, entscheidet der Ort.
Wer hinfahren will, prüft das Programm besser direkt bei Gemeinde, Pfarre oder Schützenkompanie. Termine und Uhrzeiten ändern sich von Jahr zu Jahr, und bei schlechtem Wetter fällt die Prozession mancherorts aus, die Messe aber nicht. Einen Überblick über die größeren Umzüge gibt der Beitrag zu den Prozessionen am Hohen Frauentag.
Gemeinsam ist allen Varianten der Ablauf des Vormittags: Es dauert länger als ein normaler Sonntag, es wird gestanden, und man kommt hungrig heim.
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Was danach auf den Tisch kommt
Eine verbindliche Speisenfolge zum 15. August gibt es nicht — anders als beim Weihnachtsessen hat sich hier kein festes Gericht durchgesetzt. Was sich durchgesetzt hat, ist die Logik: Nach Messe und Empfang will niemand mehr anfangen zu kochen, und oft sitzen mehr Leute am Tisch als geplant.
Genau dafür ist die Brettljause gebaut: ein gereifter Schnittkäse, etwas Kräftiges dazu, eine luftgetrocknete Wurst, Speck, dunkles Brot und etwas Saures. Sie braucht ein Brett und zehn Minuten, skaliert mit der Gästezahl und verträgt es, wenn der Vormittag länger dauert als gedacht. Als Hauptmahlzeit rechnest du mit rund 375 Gramm pro Person.
Häufige Fragen
Andreas Hofer und der 15. August
Wann und wo wurde Andreas Hofer geboren?
Am 22. November 1767 am Sandhof bei St. Leonhard in Passeier. Der Hof war zugleich sein Gastbetrieb — als dessen Wirt bekam er den Beinamen „der Sandwirt“. Das Passeiertal liegt südlich des Brenners und gehört seit 1919 zu Südtirol. Hofer starb am 20. Februar 1810 in Mantua.
Ist der 15. August in Tirol ein freier Tag?
Ja, aber nicht wegen des Landesfeiertags. Mariä Himmelfahrt ist in ganz Österreich einer der dreizehn gesetzlichen Feiertage — der freie Tag gilt also unabhängig davon in jedem Bundesland. Die Tiroler Landesbedeutung ist eine zusätzliche Ebene und bringt keinen weiteren freien Tag mit sich.
Seit wann ist der 15. August Tirols Landesfeiertag?
Seit 1959. Vorbereitet wurde das durch ein Landtagsgesetz vom 11. September 1957 über eine Landesgedächtnisstiftung zur Erinnerung an 1809. Im Jahr der 150-Jahr-Feiern erklärte Landeshauptmann Hans Tschiggfrey den Hohen Frauentag zum Landesfeiertag.
Wie viele Bergiselschlachten gab es?
Vier, alle im Jahr 1809: am 12. April, am 29. Mai, am 13. August und am 1. November. Die dritte am 13. August war der bekannteste Sieg der Aufständischen, die vierte im November endete mit der Niederlage und dem militärischen Ende des Aufstands.
Wer ist der Landespatron von Tirol?
Der heilige Josef, dazu bestimmt von Maria Theresia am 11. Jänner 1772. Sein Festtag ist der 19. März — in Tirol schulfrei und für viele Ämter geschlossen, aber kein gesetzlicher Feiertag. Seit 21. April 2006 ist der heilige Georg mit Festtag am 23. April zweiter Landespatron.
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